Kusadasi/Türkei – Angekommen! Die Anspannung fällt von uns. 32 Stunden sind wir von Samstagnachmittag bis Sonntagnacht um 24 Uhr nonstop gefahren. 2.800 km haben wir hinter uns. Unser Auto war voll beladen mit 4 Segeln (Groß, Schwedengroß, Fock und Genua), Antifouling, Solarzellen, Nähmaschine, gefühlte 40 kg Klamotten, Schuhe, 8 Flaschen Kessler-Sekt (für die Äquator-Taufe und sonstige Feierlichkeiten), Müsli, jede Menge Schokolade von lieben Kolleginnen und Segelbücher. Unser kleines Auto schnurrte die Kilometer nur so runter, mehr als 100 km/h konnten wir sowieso nicht fahren. Die Autobahn wurde gegen Abend immer leerer, durch Österreich, Slowenien, Kroatien und dann Serbien bei Nacht fuhren wir fast allein, in Bulgarien dämmerte es, aber auch hier war wenig Verkehr. Um 12 Uhr Nachmittags standen wir am Sonntag an der türkischen Grenze. Aber auch hier hatten wir – außer dass wir einmal den Kofferraum aufmachen mussten, keine Probleme. Und wie es mal so ist, wenn man eine Reise macht, gibt es schöne und weniger schöne Erlebnisse.
Das schöne Erlebnis war sicherlich, dass wir in Serbien nachts, bei einer Pinkelpause einem Wolf begegnet sind. Zum Glück waren wir schon wieder im Auto, als vor uns ein Wolf stand mit seinen eindrucksvollen Augen – grau-weiß gefleckt, er hat uns direkt durch die Seitenscheibe angeschaut, eine stattliche Größe hatte er. Er sah ausgehungert aus und sehr demütig mit eingezogenem Schwanz. Er hat dann mal kurz 4 Saitenwürstchen von uns eingeatmet, die Stephan aus dem Fenster rausgeworfen (ich wäre etwas vorsichtiger gewesen, man weiß ja nie, ist ja doch ein wildes Tier). Er ist noch eine Weile um unser Auto geschnürt, dann fuhren wir jedoch schweren Herzens los.
Die zweite Begegnung war nicht so schön. Wir glaubten uns trotz Navi verfahren zu haben, weil die Straße aussah wie eine Dorfstraße. Da hielt ein Auto neben uns. Der Fahrer bot uns an, uns wieder auf die richtige Straße zu bringen, da die, auf der wir mit dem Navi geführt wurden, kaputt oder gesperrt war. So fuhren wir dem netten Herrn rund 10 km hinterher und wir wurden immer unsicherer – das wollten wir ja dann doch nicht, dass jemand so einen Umweg für uns fährt. Wir sahen jedoch auch die Schilder wieder Richtung „Istanbul“ – wir waren noch auf der bulgarischen Seite und obwohl es nur eine Straße gibt, die in die Türkei fährt, ist sie recht schlecht beschildert. Nun, endlich hielt das Auto an und der Fahrer kam zu uns, Stephan öffnete die Tür und wir diskutierten ja schon vorher, was wir dem netten Herrn geben konnten. Wir wollten ihm Schokolade (von meinen lieben Kolleginnen) schenken. Doch der nette Herr wurde nun doch konkret. Er hätte nun kein Benzin mehr und Probleme mit dem Auto und wir sollten ihn bezahlen. Das wollten wir nun nicht. Da er wohl nichts anderes aus unserem Auto greifen konnte, riss er Stephan blitzschnell die Brille vom Kopf und ging zu seinem Auto. Stephan hinterher und nahm ihm die Brille mit einigem Gerangel wieder ab – allerdings hatte der nette Herr schnell ein Brillenglas aus der Brille gedrückt, das er nun als Pfand in der Hand hielt. Nun für 10 Euro hat er es Stephan dann wieder gegeben und er fuhr davon. Verdattert standen wir da und Stephan so sauer, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Damit hatten wir nicht gerechnet, dass aus dem netten Herrn ein gerissener Gauner wurde (ist wohl seine Masche, weil das Navi auf diese Seitenstrecke viele Touris hinführt und er war absoluter Profi, dem man seine Nettigkeit zuerst einmal sofort abnimmt). So etwas wird uns wohl noch öfters passieren, die Frage ist, wie man die Guten und die zwei Prozent Böse erkennt. Wir können ja nicht allen Menschen misstrauisch begegnen, denn es gibt genügend, die es wirklich freundlich und gut meinen.
Nun sind wir aber in Kusadasi angekommen. Das Boot lag nicht mehr am alten Liegeplatz, so mussten wir des Nachts die Marina durchsuchen und waren froh, unsere Chenoa an einem anderen Steg liegen zu sehen. Erst mal aufschließen, ein Bierchen aufmachen und dann fielen wir in die Kiste. Erst am nächsten Morgen wachten wir gut ausgeschlafen wieder auf. Zuerst Boot schrubben, denn nach 5 Monaten war es mehr als eingstaubt. Innen sauber machen und dann Auto ausräumen. Voila, alles war im Boot und wir können sogar noch laufen! Und nun sind die Schränke eingeräumt, alles am Platz verstaut und damit für die Fahrt ausgerüstet.
Am Dienstag wurde noch mit einem Freund diskutiert, wie wir den Schleppgenerator anbauen können – das nächste Projekt und hoffentlich das letzte Projekt, bevor es losgeht. Aber dieses Projekt werden wir dann in Angriff nehmen, wenn wir im Februar/März unser Boot aus dem Wasser holen, um auch den Unterwasserbereich neu zu streichen.
Am Mittwoch wollten wir nun endlich die neuen Segel setzen. Denn mit Spannung erwarten wir, dass alles passt, so wie wir es der Segelwerkstatt mitgeteilt haben. Doch heute ist es sehr windig und ungewöhnlich warm und am Abend erwarten wir dann auch ein Gewitter und Wasser von oben. Also abwarten. Macht aber nichts, wir haben Zeit, viel Zeit und eine kleine Pause nach der anstrengenden Woche vor der Abreise tut uns gut.










2 Kommentare
Johannes Lang
15. Dezember 2014 um 23:22 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Hallo, heute letztes Mal Couscous. 15.12.2014.
Nela
16. Dezember 2014 um 14:31 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Lieber Johannes,
der Couscous war superlecker! Den gibt es auch auf unserer Chenoa – und wenn du mal mitsegelst, gibt es diesen mit Fisch:-)