Ich sitze nun schon wieder am PC. Es ist immer noch der 28.1. und ich habe mal Zeit für ein paar mehr Zeilen.
Heute Nachmittag ist uns der schwache Wind nun auch noch vollständig eingeschlafen. Wenn Bernhard gesund wäre, hätten wir sicherlich die Segel geborgen und wären schwimmen gegangen.Aber wenn ich einfach nur rumgedümpelt wäre, hätten wir uns auch nicht wohl gefühlt, weil doch immer noch der mögliche Krankenhaustermin im Hinterkopf ist. So habe ich schweren Herzens den Motor angeworfen.
Der positive Nebeneffekt des Motorlaufs ist: Ich habe den elektrischen Autopiloten angeschlossen, brauche nun nicht ständig den Kurs zu beobachten, den Wassermacher, den Kühlschrank (für den Fisch den ich heute Abend fangen will) eingeschaltet und mal meine ganze elektrische Anlage auf Funktion kontrolliert. Die Standheizung läuft volle Pulle (schön warm hier unten). Eine Stunde werde ich sie mal laufen lassen, dass der alte Kraftstoff in den Leitungen verbrannt wird und die ganze Anlage mal wieder durchgepustet wird. Alles funktioniert soweit gut.
Jetzt würde ich sooo gerne ein Bierchen trinken, aber iss nich! Das haben wir uns verboten.
Vielleicht werdet ihr euch fragen:“Was trinken die denn so an Bord?“
Auf alle Fälle mal kein Alkohol. Nicht mal Bier. Das muss warten bis Brasilien.
Morgens trinken wir mal Tee mal Kaffee. Tags über trinkt Bernhard ganz seltsame Getränke, die man so in Gambia trinkt. Da wäre z.B. der Saft von den Früchten des Baobab Baumes. Soll mächtig gesund sein. Das sind kleine Kerne die mit einer dünnen Fruchtschicht überzogen sind. Diese Fruchtschicht wird entweder im getrockneten Zustand abgelöst, dann gibt es ein weißliches Pulver. Oder man schüttet die Kerne in eine Plastikflasche und füllt die Flasche mit Wasser auf. Kräftig schütteln und dann entsteht so eine Suppe mit Kernen. Na ja appetitlich sieht das Ganze nicht aus.
Oder er nimmt andere uns unbekannte rote getrocknete Blätter, die man auch wieder in eine Plastikflasche füllt und mit Wasser auffüllt. Das schmeckt sogar mir recht gut. Besonders wenn dies Gebräu eine Weile (1 oder 2 Tage) in der Flasche bleibt und zu gären anfängt. Dann entwickelt sich auch noch etwas Kohlensäure und eventuell entsteht dabei sogar Alkohol. Aber das ist natürlich nicht gewollt! 🙂
Ein weiteres skuriles Getränk ist eine Mischung aus verschiedenen Hölzern und Pflanzen. Da kauft man schon die Plastikflasche, die randvoll mit Holzstückchen ist und füllt sie nur noch mit Wasser auf. Der entstandene „Saft“ schmeckt wohl bitter, wie mir Bernhard sagte. Ich hatte noch keinen Bock, davon zu probieren. Es soll aber gut für- und gegen alles sein. Sogar die Potenz soll sie steigern. Nu ja, auch das muss bei mir im Augenblick nicht sein. 🙂
Außerdem trinken wir viel Wasser, das wir teilweise noch von den Kapverden haben, oder dass uns der Wassermacher produziert hat.
Auch haben wir viele Grapefruit in Lamin gekauft. Sie sollten bei täglichem Genuss von einer Frucht pro Nase bis Brasilien reichen. Ich presse mir die Frucht aus und mache aus den festen Bestandteilen noch einen Aufguss mit Wasser. Dann schmeckt das Wasser gleich besser. (Bin halt ein Kind der Nachkriegsgeneration 😉 Bernhard isst seine Grapefruit.
Und dann haben wir noch ca. 6 Liter unspektakulären Apfel- und Orangensaft für den Notfall, wenn uns das Wasser ausgeht. :
Nun ist der 29.1. um 8:30.
Um 6:00 früh, kurz vor Wachwechsel, habe ich den Motor ausgeschaltet. Was für eine wunderbare Ruhe. Zu früh, wie ich erkennen musste. Es sah anfangs nach einigermaßen Wind aus. Der Windgenerator drehte sich, der Wind kam von der Seite. Nur kurze Zeit, nachdem die Segel standen, die Windfahne wieder eingestellt war, schlugen die Segel, und es gab keinen Wind mehr. Nachdem ich mir eine Weile Segelschlagen angehört und angesehen hatte, was mir fast körperlich weh tut, barg ich die Segel wieder und schaltete den Motor wieder an. Da läuft er nun…
Abgesehen von dem Motorkrach war die Nacht recht ruhig. Nur einmal heulte die Angelrolle wieder auf. Aber es dauerte nicht lange, da war der Druck weg und mein Angelhaken wieder frei. Nur fehlte jetzt der Widerhaken… Ist wohl mal wieder chinesische Wertarbeit gewesen. Und so bleibt der Kühlschrank kalt aber leer 9 Ich gebe aber die Hoffnung noch nicht auf und bade den Köder weiter.
Nun schicke ich dies lange Mail aber erst mal per Funk zu euch, und dann gibts lecker Kaffee :.
Liebe Grüße von Bord von Stephan
und Bernhard
PS: Bergfest! Noch 1007 Seemeilen bis Salvador
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